Jagd nach Neutrinos

Erforschung der NeutrinosAssergi Im CERN in Genf und in den Laboratori Nazionali del Gran Sasso beginnen die ersten Tests zur Erforschung der Neutrinos. Das Ziel: das Unsichtbare zu sehen.

Zwischen den grünen Landschaften und den Bergen des Gran Sasso, in Assergi in den Abruzzen, «versteckt» sich eines der modernsten Forschungszentren der Nuklearphysik: die «Laboratori nazionali del Gran Sasso» (LNGS), die weltweit grössten Labors, die sich über rund 18 000 Quadratmeter erstrecken.

Unterirdisch errichtet, zählen sie zu den «isoliertesten» Labors unseres Planeten: Eine 1400 Meter tiefe Gesteinsschicht dient als natürlicher Schutzschild und lässt von einer Million Teilchen, die die irdische Oberfläche erreichen, nur eines durchdringen. In den LNGS arbeiten über 750 Forscher aus aller Welt sowie 66 Institutsmitarbeiter.

Ein Experiment in Zuaber sammenarbeit mit dem cERN in Genf erforscht die Eigenschaften von Neutrinos. Neutrinos sind neutrale Teilchen, die als Reaktion auf thermonukleare Fusionen (Sonne oder Explosion einer Supernova) entstehen.

Untersucht man die von der Sonne stammenden Neutrinos, versteht man, wie unser Stern funktioniert. Die Neutrinos durchdringen Tausende Kilometer Materie, ohne absorbiert oder abgelenkt zu werden. Jeder Quadratzentimeter unserer Erde wird pro Sekunde von zirka 60 Milliarden Neutrinos «beschossen». Neutrinos zu verstehen, bedeutet, die Materie und viele der Phänomene zu verstehen, die das Leben im Universum bestimmen.

Experimente haben gezeigt, dass sich Neutrinos während ihres Weges von einer Neutrinoart in eine andere umwandeln können. Man nimmt daher an, dass sie über Masse verfügen. Diese soll nun gemessen werden. Die ersten Tests beginnen am 18. August. Zu diesem Zweck wurde in den LNGS ein riesiger Detektor installiert, der Neutrinos «einfangen» soll.

Aus Genf wird ein Neutrinostrahl in direkter Linie Richtung Gran- Sasso-Labors gerichtet. Nachdem der Strahl in drei Tausendstelsekunden unterirdisch eine Strecke von 732 Kilometern zurückgelegt hat, trifft er auf den Detektor, der aus 200 000 Bleiziegeln besteht, zwischen denen sich eine hochempfi ndliche fotografi sche Emulsion und Blei befi nden. Schiesst ein Neutrino durch das Ziel hindurch, so hinterlässt es eine Spur, die untersucht werden kann.

Bestätigt sich die theo re tische Annahme, so werden sich einige Neutrinos auf der Strecke von Genf nach Assergi transformieren und so zeigen, dass sie über Masse verfügen. «Das Experiment wird fünf Jahre laufen. Wir gehen davon aus, dass wir an die zehn Neutrinos werden ‹sehen› können. Auf diese Weise werden wir aussagekräftige Resultate erhalten», sagt Roberta Antolini, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der LNGS.

Mirko Stoppa

Weitere Informationen unter www.lngs.infn.it

[via Coopzeitung]

Leave a Reply