Expedition ins Gehirn das Savant-Syndrom

Stephen WiltshireDreiteiliger Film von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus

Die Inselbegabung (Savant-Syndrom) ist ein Phänomen, bei dem Menschen mit kognitiver Behinderung in einem kleinen Teilbereich außergewöhnliche Leistungen vollbringen.

Die “lebende Kamera”

Stephen WiltshireVerblüffend sind die Künste von Stephen Wiltshire. Der Londoner, ebenfalls als autistisches Kind diagnostiziert, fliegt für “Expedition ins Gehirn” knapp 45 Minuten lang mit einem Helikopter über Rom. Anschließend soll er ein 5 Meter langes detailgetreues Luftbild-Panorama der ewigen Stadt zeichnen - aus dem Gedächtnis. Denn Stephen ist ein Zeichen-Savant, dem ein ähnliches Kunststück schon in seiner Heimatstadt London gelungen ist. Damals hat er selbst die Zahl der Fenster von wichtigen Gebäuden exakt gezeichnet.

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Matt Savage war ein seltsames Kind. Bis er vier war, durfte ihn nicht einmal seine Mutter anfassen. Beim kleinsten Geräusch bekam er Schreikrämpfe. Die Diagnose des Kinderarztes: Matt ist Autist. Die Eltern müssten sich mit extremen Verhaltensweisen abfinden, ausgelöst von den schweren „Fehlschaltungen“ seines Gehirns.
Als Matt Savage sechs war, brachte er sich „über Nacht“ das Klavierspielen bei. Mit sieben begann er zu komponieren – Jazz. Im selben Jahr erschien seine erste CD mit eigenen Kompositionen. 2005, einen Tag vor seinem 13. Geburtstag, tritt Matt Savage
in New Yorks berühmtestem Jazzclub, dem „Birdland“, auf. Jazzlegenden wie Chick Corea nennen ihn ein Jahrhunderttalent. „Aber woher“, fragt Dr. Darold Treffert, ausgezeichnet als einer der 100 besten Ärzte der USA und weltweit bedeutendster „Savant“-Spezialist, „woher nimmt Matt Savage sein Wissen über Musik? Gibt es einen musikalischen Chip im Gehirn, auf dem alles schon vorgespeichert ist? Haben wir nur normalerweise keinen Zugang dazu? Wie kann Matt all das über Musik wissen, wenn er es nie gelernt hat?“

Der Dubliner Hirnforscher Prof. Michael Fitzgerald vertritt die Theorie, dass herausragende Kreativität sehr häufig mit den Fehlschaltungen von Autisten zusammengeht. Einstein, Newton, Mozart und Beethoven, so sagt Fitzgerald, seien extreme Begabungen gewesen, weil ihre Gehirne falsch verkabelt waren. Irgendwie so wie die von Matt Savage und Stephen Wiltshire.
An der Universität Sydney versucht Prof. Alan Snyder deshalb, bei Versuchspersonen Teile des Hirns zeitweilig zu lähmen, um aus ihnen eine größere Kreativität herauszuholen: „Faszinierend“, sagt Snyder, „dass man Teile unseres Gehirn abschalten muss, damit unsere schöpferischen Kräfte sich entfalten können.“ Doch
Snyders Experimente sind höchst umstritten.

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